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- jana-welsch
- 13. MĂ€rz
- 3 Min. Lesezeit

Meine Tochter stand vor mir. Ich hatte die Kamera in der Hand, sie schaute mich an und dann setzte sie dieses LĂ€cheln auf. Dieses eine LĂ€cheln, das ich sofort erkenne. Nicht das, das einfach aus ihr herausplatzt. Nicht das mit den zusammengekniffenen Augen, wenn sie lacht, bis ihr der Bauch weh tut. Sondern dieses andere. Dieses kleine, vorsichtige.
Das, von dem man merkt: Es ist gemacht.
Ich sagte zu ihr:
âDu musst nicht lĂ€cheln.â
Und sie schaute mich ganz selbstverstÀndlich an und sagte:
âAber das ist schöner.â
Dieser Satz hat mich mitten ins Herz getroffen.
Nicht, weil er böse gemeint war. Sondern weil er so ruhig, so klar ausgesprochen wurde. Als wÀre das einfach eine Tatsache.
Und ich habe gemerkt, wie mich das traurig macht.
So richtig traurig.
Denn ich versuche ihr doch jeden Tag etwas anderes mitzugeben. Dass sie nicht immer freundlich sein muss. Dass sie nicht funktionieren muss. Dass sie laut sein darf, wĂŒtend, traurig, albern, still. Dass sie Raum einnehmen darf, auch wenn das manchmal unbequem ist.
Und trotzdem sitzt sie da und sagt:
âAber das ist schöner.â
Und plötzlich frage ich mich:
Wo hat sie das gelernt?
Wer hat ihr beigebracht, dass ein MÀdchen schöner ist, wenn es lÀchelt?
Dass ein ernstes Gesicht irgendwie falsch wirkt?
Dass Freundlichkeit besser ankommt als Ehrlichkeit?
Es sind ja selten die groĂen SĂ€tze.
Niemand stellt sich vor ein kleines MĂ€dchen und sagt: âBitte sei angenehm.â
Und trotzdem lernen sie es.
Sie merken, wann Erwachsene sagen:
âJetzt lĂ€chle doch mal.â
Sie merken, wann jemand sagt:
âSei doch lieb.â
Sie merken, wann ein MĂ€dchen als âzickigâ bezeichnet wird, wenn es sich wehrt.
Wann âsensibelâ plötzlich zu viel ist.
Wann Wut unbequem wird.
Wann Traurigkeit schnell wieder weggewischt werden soll.
Und irgendwann passiert etwas ganz Leises. GefĂŒhle werden sortiert. Nicht bewusst. Eher so ein inneres Nachjustieren.
Dieses GefĂŒhl darf bleiben.
Dieses lieber nicht.
So schaue ich lieber nicht.
So bin ich lieber nicht.
Und dann kommt dieses kleine, höfliche LÀcheln.
Das, von dem alle denken:
Wie sĂŒĂ.
Dabei ist es oft einfach nur Anpassung.
Vielleicht trifft mich dieser Satz meiner Tochter auch deshalb so sehr, weil ich als Frau genau weiĂ, wie vertraut sich das anfĂŒhlt.
Dieses leichte ZusammenreiĂen.
Dieses kurze AbwÀgen im Kopf.
Ist das gerade zu viel?
War ich gerade zu direkt?
Sollte ich das lieber anders sagen?
Wie oft lĂ€cheln wir, obwohl uns eigentlich nach etwas ganz anderem ist? Wie oft schlucken wir einen Gedanken runter, weil wir nicht âschwierigâ wirken wollen? Wie oft haben wir gelernt, dass ein freundliches Gesicht die Situation einfacher macht fĂŒr alle anderen im Raum.
Und irgendwann nennt man das dann einfach âweiblichâ.
Empathisch. Harmonisch. Sozial.
Dabei steckt darin oft etwas ganz anderes:
Die Gewohnheit, sich selbst ein StĂŒck zurĂŒckzunehmen.
Als ich meiner Tochter zugehört habe, wurde mir klar, wie frĂŒh diese Idee von Schönheit beginnt.
Schön ist nicht nur ein Gesicht.
Schön ist eine Haltung.
Eine Art zu sein.
Still genug.
Freundlich genug.
Angenehm genug.
Und ich wĂŒnsche mir so sehr, dass sie etwas anderes lernt.
Dass sie merkt, dass ein Mensch nicht nur dann wertvoll ist, wenn er leicht zu mögen ist. Dass ein Gesicht nicht dafĂŒr da ist, die Stimmung im Raum zu retten. Dass GefĂŒhle nicht gefiltert werden mĂŒssen, damit andere sich wohler fĂŒhlen.
Dass ein MĂ€dchen auch dann vollkommen richtig ist, wenn es gerade ernst schaut.
Oder wĂŒtend ist.
Oder nachdenkt.
Oder einfach still ist.
Ich sagte zu ihr:
âDu darfst auch schauen, wie du wirklich gerade fĂŒhlst.â
Sie hat mich einen Moment lang angeschaut, ganz ruhig.
Und dann fragte sie:
âAber finden mich die Leute dann noch nett?â
In diesem Moment wird mir klar: Es geht nicht nur um Kinder.
Es geht um jede Frau, die irgendwann lernt, dass Schönheit nicht nur ein Gesicht ist. Sondern eine Haltung, ein Verhalten, eine stĂ€ndige Anpassung. Dass nett sein, freundlich sein, gefallen wollen, manchmal wichtiger wird als zu fĂŒhlen, zu sein, zu existieren.
Aber wir können etwas Àndern.
Wir können MĂ€dchen zeigen, dass echt sein mehr wert ist als schön wirken. Dass ihre Stimme, ihre GefĂŒhle, ihr Gesicht, ihr Körper: all das gehört ihnen. Und dass das, was echt ist, immer richtig ist.
Schönheit darf nicht das Maà sein, nach dem MÀdchen und Frauen bewertet werden.
Nicht Freundlichkeit. Nicht GefÀlligkeit. Nicht Anpassung.
Und vielleicht, nur vielleicht, beginnt die Welt sich zu Ă€ndern, wenn wir alle uns selbst und unsere MĂ€dchen daran erinnern: Niemand darf kleiner werden, nur damit andere sich wohler fĂŒhlen.
Niemand.




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