Warum es nicht reicht, einfach nur da zu sein.
- jana-welsch
- vor 3 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Es ist schon verrückt, wie gemütlich sich eine eigene Bubble anfühlen kann.
Mein Instagram ist genau das für mich geworden: wie ein kleines Atelier mit geschlossener Tür. Drinnen ist es warm, leise, vertraut. Ich kenne jede Ecke, jede Stimme, jedes Gefühl dort. Ich zeige meine Bilder, schreibe meine Gedanken dazu und habe lange geglaubt: Wenn es echt genug ist, wenn es gut genug ist, dann finden die richtigen Menschen schon den Weg hinein.
Und vielleicht stimmt das auch ein Stück weit.
Aber in letzter Zeit merke ich: Sichtbarkeit funktioniert nicht wie ein Raum, in den Menschen irgendwann zufällig hineinspazieren. Eher wie ein Marktplatz vor der Tür. Und ich habe lange einfach nur im Atelier gearbeitet, in der Hoffnung, dass jemand schon anklopft, wenn es sie oder ihn interessiert.
Ich bewege mich viel unter anderen Fotograf:innen, sehe Arbeiten, die mich sofort stoppen lassen. Und gleichzeitig sehe ich mich selbst und merke: Ich habe mich ziemlich lange sehr sicher in meinem kleinen Innenraum bewegt. Während draußen längst andere Wege entstanden sind, um gefunden zu werden.
Und dann fange ich an, genauer hinzuschauen. Wie nennen andere eigentlich das, was sie tun? Welche Worte hängen sie an ihre Tür?
Und da stehen sie: Homestory. Newbornshooting. Ungestellt.
Worte, die nicht nur beschreiben, sondern gefunden werden. Wie Schilder auf dem Marktplatz, an denen Menschen vorbeigehen und sagen: Genau das suche ich.
Und ich merke: Ich habe solche Schilder kaum. Nicht, weil ich nicht weiß, was ich tue. Sondern weil sich diese Begriffe für mich oft zu klein anfühlen. Ich würde sagen: Meine Fotografie ist dokumentarisch, ungestellt...aber vor allem ist sie bindungsorientiert. Und genau da wird es für mich schwierig mit den Worten. Denn „bindungsorientiert“ beschreibt zwar die Haltung, aber nicht unbedingt das, was jemand googelt, wenn er eigentlich nach Bildern sucht, in denen Nähe, Echtheit und Familie sichtbar werden.
Meine Arbeit ist kein klassisches „Shooting“. Es ist eher ein Dabeisein. Ein Mitgehen durch eine Zeit, die gleichzeitig so intensiv und so flüchtig ist. Ich beobachte nicht nur – ich halte fest, wie Menschen miteinander sind. Wie sie sich berühren, ohne darüber nachzudenken. Wie Bindung sichtbar wird, ohne dass sie inszeniert wird.
Und trotzdem wird mir klar: Genau diese Worte sind die Brücke zwischen meinem Atelier und dem Marktplatz draußen. Zwischen dem, was ich sehe und fühle und den Menschen, die genau danach suchen, ohne zu wissen, dass es das in dieser Form überhaupt gibt.
Denn immer wieder höre ich diesen einen Satz: „Hätte ich das damals gewusst…“
Dass man sich im Wochenbett nicht zurechtmachen muss. Dass man nicht funktionieren muss für Bilder. Dass Erinnerungen entstehen dürfen, ohne dass man sich dafür in eine Version von sich selbst zwingt.
Und da kippt etwas. Es geht nicht mehr nur um meine Arbeit im Atelier. Es geht darum, dass Menschen überhaupt wissen, dass sie diesen Ort betreten können. Dass sie eine Wahl haben.
Ich bin gerade mehr draußen, am Rand meines eigenen Raumes, im Austausch, im Netzwerken. Und merke dabei, wie ungewohnt dieser Marktplatz ist. Laut, unübersichtlich, aber auch voller Möglichkeiten.
Und vielleicht ist genau das die Frage, die mich gerade begleitet: Wie gehe ich raus aus meinem Atelier, ohne mich selbst darin zu verlieren? Wie bleibe ich ich und werde trotzdem gefunden?
Ich glaube nicht, dass es darauf eine perfekte Antwort gibt. Aber ich merke, ich lerne gerade, die Tür ein Stück weiter offen zu lassen.





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